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Dienstag, 24. Januar 2012

Kurzgeschichten 12/2007

Helga Lindow (Hrsg.)
Kurzgeschichten 12/2007
ISSN: 1613-432X
44 Seiten (DinA4) - 5 Euro



Thomas Backus
Moderne Weihnachten

Weihnachten im Erzgebirge
„Was wünscht du dir zu Weihnachten?“, fragte eine tiefe, sympathische Stimme.
Doch niemand antwortete dem bärtigen Mann. Dabei stand ein dünner Mann nah an einem irrsinnig heißen Ofen und blies wunderschöne rote Kugeln aus Glas.
Der Weihnachtsmann räusperte sich, es war sehr laut in der Glashütte, vielleicht hatte ihn der Mann gar nicht gehört. „Was wünscht du dir zu Weihnachten, guter Mann?“, schrie er gegen den Industrielärm an.
Der Glasbläser drehte sich langsam um. Seine Wangen waren eingefallen, seine Augen nur halb geöffnet, als wäre er sehr, sehr müde.
„Ich wünsche mir den Tariflohn!“, sagte der Arbeiter. „Meine Kollegen und ich wurden als Glasbläser entlassen. Wir haben vorher einen ordentlichen Handwerkerlohn verdient, aber jetzt arbeiten wir bei einer Zeitarbeitsfirma in derselben Fabrik für 7 Euro brutto die Stunde. Wir formen jede einzelne Kugel mit der Luft aus unseren Lungen, wir hauchen ihnen dadurch ein Stück von unserem Leben ein. Trotzdem haben wir zum Leben nur das Notwendigste. Es reicht gerade für die Miete und Essen vom Aldi.
Ich bin froh, dass es in der Glashütte so warm ist, denn bei uns zu Hause bleibt der Ofen kalt. Strom und Heizung können sich nur noch die reichen Leute leisten. Und ich hoffe bei Gott, dass niemand von uns krank wird, nach der Gesundheitsreform! Ich wünsche mir eine starke Gewerkschaft, die unsere Interessen wahrnimmt und einen fairen Lohn für unsere Arbeit!“
Der Weihnachtsmann wischte sich den Schweiß von der Stirn. Die heiße Luft brannte ihm in der Lunge und er wünschte sich die Macht, den Wunsch des Arbeiters erfüllen zu können. Aber alles, was er zu verschenken hatte, waren Socken.
(...)

Weihnachten ist nicht überall gleich, erleben Sie

- Weihnachten bei Chefs
- Weihnachten im Bundestag
- Weihnachten in China
- Weihnachten Global

Wird der Weihnachtsmann für jeden das richtige Geschenk finden? Wird er die Welt vielleicht sogar verbessern können?

Nachzulesen in Kurzgeschichten 12/2007


Nachtrag:
Leider gibt es Kurzgeschichten.biz nicht mehr, aber vielleicht könnt Ihr eines der Magazine bei eBay ergattern.

Samstag, 21. Januar 2012

Kurzgeschichten 08/2007



Helga Lindow (Hrsg.)
Kurzgeschichten 08/2007
Kurzgeschichten.biz

ISSN: 1613-432
56 Seiten (DinA4) - 5
€



Thomas Backus:
Die Geister, die sie rief
Eine kleine, unscheinbare Anzeige in der Tageszeitung hatte Luise hergeführt. Die Wohnung lag in einer abgelegenen Seitengasse und sah nach einem runtergekommenen Arbeiterquartier aus. Öde Backsteinwände. Alt. Verfallen. Angeblich sollten hier die Toten verkehren.
Auf der Türschwelle befand sich ein Drudenfuß. Mit Kreide gezeichnet. Daneben magische Formeln, vermutlich aus der Kabbala.
Luise fasste sich ein Herz und klopfte.
Erst geschah nichts, dann erklang eine dunkle, tiefe Stimme:
„Tritt ein, wenn du reinen Herzens bist!“
Luise schluckte. Reinen Herzens, wer war das schon?
Trotzdem trat sie ein.
Und erstarrte. Vor Ehrfurcht.

Madame Zio war mindestens tausend Jahre alt. Zumindest sah sie so aus.
Ihre Augen schienen alles gesehen zu haben, Gutes wie auch Schlechtes. Wenn jemand eine Möglichkeit gefunden hatte, ins Jenseits zu blicken, dann diese Frau.
Luise vermochte nicht zu sagen, wie sie in den weichen Sessel gekommen war, jedenfalls saß sie plötzlich da und hatte eine dampfende Tasse Tee in der Hand. Earl Grey. Madame Zio hatte nicht nur Macht über die Toten – sie hatte auch Geschmack.
„So Kindchen, jetzt erzähl mir mal, was dich zu mir führt.“
Kindchen. Luise war achtundsiebzig Jahre alt. Dennoch hielt sie es durchaus für möglich, dass Madame Zio vom Alter her ihre Mutter hätte sein können.
„Ich vermisse meinen Hubert so sehr.“ Tränen schienen Luises Augen ertränken zu wollen. „Wir waren fast sechzig Jahre verheiratet. Und ausgerechnet in der Nacht, in der er starb, hatten wir unseren ersten Streit.“
Madame Zio nickte mitfühlend. „Ihr seid im Streit auseinander gegangen. Das ist schlimm.“
„Er hatte getrunken. Nur ein Glas Wein. Wir waren bei unseren Kindern zum Essen. Ich wollte gerne dort übernachten und machte ihm Vorhaltungen wegen des Alkohols. Er wurde wütend und fuhr allein los. In dieser Nacht verunglückte er tödlich.“
„Und jetzt möchtest du dich mit ihm aussöhnen?“
Luise zitterte. „Ich habe gehört, Sie können mit den Toten reden.“
(...)

  

Wird Madame Zio den Kontakt zu Hubert herstellen - und wird Hubert seiner Luise verzeihen? Die Antwort auf diese Fragen wird den Leser verblüffen!

Nachzulesen in
Kurzgeschichten 08/2007!

Das Magazin Kurzgeschichten gibt es leider nicht mehr - vielleicht könnt Ihr noch ein Exemplar auf eBay ergattern ...

Donnerstag, 19. Januar 2012

Kurzgeschichten 04/2007



 
Helga Lindow (Hrsg.)
Kurzgeschichten 04/2007
Kurzgeschichten.biz

ISSN: 1613-432
56 Seiten (DinA4) - 5
€



Thomas Backus:
Von Mäusen und Mausefallen


Ich wohne in einem alten Haus. Ich wohne nicht allein dort. Dort leben auch Mäuse. Man kann Mäuse aus einem alten Haus nicht aussperren. Sie kriechen die Wasserrohre hoch, quetschen sich durch die kleinsten Lücken. Ich habe mal eine Maus gesehen, die sich so dünn gemacht hat, dass sie unter der Tür hindurch kriechen konnte.

Und wenn sie kein Loch finden, nagen sie sich mit ihren scharfen Zähnchen durch die Wände, so leicht, wie ein heißes Messer durch Butter schneidet. Nur nicht so leise … Dieses Nagen könnte aus einem Psychokrimi stammen. Vor meinem geistigen Auge tummeln sich riesige Monster mit Furcht einflößenden Mäulern. Mäuler, die dazu geschaffen sind, uns Menschen bei lebendigem Leib zu zernagen.
(...)
  

Tanzen mir die frechen Nager auf der Nase herum, oder gibt es für jede Maus eine passende Falle?

Nachzulesen in
Kurzgeschichten 04/2007!

Das Magazin Kurzgeschichten gibt es leider nicht mehr - vielleicht könnt Ihr noch ein Exemplar auf eBay ergattern - oder Ihr greift zum Hör-Magazin:



Katharina Tölken (Hrsg.)
Ara - Das literarische Hörmagazin
Ausgabe 2

Atemwort © 03/2008
ARA 2 als Audio-CD - 14,95 €
ARA 2 als MP3 Download - 11,65
€

Late Night Lesen - November 2006

Nur einen Tag nach der Halloween-Lesung stellten sich Volker Ilse und ich am 1. November 2006 dem Publikum der Marburger Lesebühne.

Wir hatten beide unsere Erfahrungen mit Mäusen zu Papier gebracht: Volker las Von Maus und mir, ich las Von Menschen und Mäusen.

Letztere Geschichte wurde später aufgrund der Titelgleichheit mit einem Roman von John Steinbeck in  Von Mäusen und Mausefallen umbenannt.



Thomas Backus:
Von Mäusen und Mausefallen


Ich wohne in einem alten Haus. Ich wohne nicht allein dort. Dort leben auch Mäuse. Man kann Mäuse aus einem alten Haus nicht aussperren. Sie kriechen die Wasserrohre hoch, quetschen sich durch die kleinsten Lücken. Ich habe mal eine Maus gesehen, die sich so dünn gemacht hat, dass sie unter der Tür hindurch kriechen konnte.

Und wenn sie kein Loch finden, nagen sie sich mit ihren scharfen Zähnchen durch die Wände, so leicht, wie ein heißes Messer durch Butter schneidet. Nur nicht so leise … Dieses Nagen könnte aus einem Psychokrimi stammen. Vor meinem geistigen Auge tummeln sich riesige Monster mit Furcht einflößenden Mäulern. Mäuler, die dazu geschaffen sind, uns Menschen bei lebendigem Leib zu zernagen.
(...)
  
Das Late Night Lesen findet jeden 1. Mittwoch im Monat ab 21.30 Uhr statt.


Von Mäusen und Mausefallen wurde mittlerweile veröffentlicht:



Katharina Tölken (Hrsg.)
Ara - Das literarische Hörmagazin - Ausgabe 2
Atemwort © 03/2008
ARA 2 als Audio-CD - 14,95 €
ARA 2 als MP3 Download - 11,65
€
Helga Lindow (Hrsg.)
Kurzgeschichten 04/2007
ISSN: 1613-432
56 Seiten (DinA4) - 5
€